
3. Mai 2011
Die zweigeschossigen Pavillons der Grundschule Hohe Landwehr aus den 60er Jahren werden zur Zeit energetisch saniert. Architektin Christine Reumschüssel erläutert die wichtigsten Punkte der Sanierung bei der Planung und der Ausführung. Zentrales Augenmerk hat sie auf die Verbesserung der Gebäudehülle gelegt. Zur Gebäudehülle gehören alle Außenflächen eines Gebäudes. Das Dach bekommt eine zusätzliche Dämmung, die Kellerdecke wird gedämmt und die Fenster erneuert.
Durch ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS), also eine Außendämmung mit Putzoberfläche, wird der Wärmedämmwert (U-Wert) der Außenwand verbessert, was bedeutet, dass die Raumwärme schlechter nach aussen entweicht. Voraussetzung hierfür ist die Luftdichtigkeit der Gebäudehülle und eine Verminderung von Wärmeverlusten duch Fensterlüftung. Das ist auch der Grund, warum sich Architektin Christine Reumschüssel entschieden hat, eine raumweise Lüftungsanlage einzubauen. Durch die Lüftungsanlage wird nicht nur ein regelmäßiger Luftaustausch gewährleistet, sondern auch eine für die Lernsituation optimale Versorgung mit Sauerstoff – was übrigens über eine Fensterlüftung nicht zu realisieren ist. Nicht zuletzt profitiert der Klimaschutz, denn beim Luftaustausch mittels Lüftungsanlage wird im Winter die Wärmeenergie der verbrauchten Luft zurückgewonnen und der kalten Außenluft zugeführt. Sogar im Sommer ist die Lüftungsanlage von Vorteil, weil nun die Kühle der Innenluft an die Frischluft abgegeben wird.
Für die Schüler, die das komplexe bauphysikalische Thema „Energetische Sanierung“ in den letzten Monaten behandelt haben, war es interessant, an einem praktischen Anschauungsobjekt die Umsetzung der energetischen Berechnungen zu sehen. Und der Entwurf kann sich sehen lassen, nicht nur bauphysikalisch, sondern auch architektonisch.
Nachhaltigkeit beim Bauen ist Architektin Christine Reumschüssel ausgesprochen wichtig. So hat sie ihr energetisches Sanierungsziel übererfüllt, da die Sanierung im Wärmebedarf 15% unter der aktuellen Energieeinsparverordnung liegt. Ihrer Ansicht nach ist die Entwicklung auf diesem Gebiet so rasant, dass man deutlich unter den aktuellen Anforderungen bleiben muss, um ein nachhaltiges Gebäude zu bauen, das auf lange Sicht keinen Sanierungsbedarf haben wird. Für den geplanten Neubau der Grundschule Hohe Landwehr hat Frau Reumschüssel daher ein noch ehrgeizigeres Ziel: Den Passivhausstandard.