
Im Rahmen der IBA erhält die Stadtteilschule Kirchdorf und mit ihr ein ganzer Stadtteil ein hochmodernes Medienzentrum. Neben drei Musikräumen wird es auch einen Computerraum, zwei Tonstudios, einen Filmschnittraum und eine Handbibliothek geben. Hier soll nicht nur musiziert werden, es können auch professionelle Audio- und Videoaufnahmen gemacht werden. Damit wird das „Media-Dock Elbinsel“ zu einem kreativen Zentrum der Elbinsel.
Für die Schülerinnen und Schüler des Oberstufenprofils Nachhaltigkeit der Stadtteilschule Kirchdorf konnte das Projekt-Team SchulBaustelle Klima eine Baustellenführung des Architekten Simon Tubbesing von bhl-Architekten organisieren. Der Architekt gibt ausführlich und verständlich Auskunft über Entwurf und Ausführung des Medienzentrums. Bei den Schülerinnen und Schülern stehen die Themen Raumkonzept, Ökologisches Bauen und Nachhaltigkeit an erster Stelle des Interesses.
Außergewöhnlich ist der Entwurf wegen seiner polygonalen – also nicht rechtwinkligen – Raumformen sowie der großen Deckenhöhen, die neben einer ansprechenden Ästhetik für eine gute Akustik sorgen. Durch die Dachform bekommt jeder Raum seine individuelle Gestalt und seinen ganz eigenen Reiz.
Beim Bau des Medienzentrums Kirchdorf werden Ökologie und Klimaschutz groß geschrieben. Architekt Simon Tubbesing erläutert den Schülerinnen und Schülern des Oberstufenprofils Nachhaltigkeit der Stadtteilschule Kirchdorf, dass er bei der Auswahl der Baustoffe besonders auf deren Nachhaltigkeit geachtet hat. So ist das „Media-Dock Elbinsel“ ein Holzbau aus vorgefertigten Massivholzwänden und einer Fassade aus unbehandeltem europäischen Lärchenholz. Die Dämmung des Medienzentrums besteht aus recycelter Zellulose (Zeitungspapier). Auch bei den Fenstern hat der Architekt auf die Herkunft des Holzes geachtet und Lärchenholz statt Tropenholz gewählt. Selbstverständlich gibt es eine Dreischeibenisolierverglasung der Fenster. Lediglich bei den Fluchtwegen musste Herr Tubbesing aus Brandschutzgründen auf Beton und Gipskarton zurückgreifen.
Darüber hinaus hat der Architekt beim „Media-Dock Elbinsel“ auch die Klimarelevanz und den Primärenergiebedarf der Baustoffherstellung und des Baustofftransports, die sogenannte „graue Energie“, berücksichtigt. Der überwiegend verwendete Baustoff Holz hat eine neutrale CO2-Bilanz und eine geringe „graue Energie“. Auch der Lebenszyklus eines Gebäudes ist für seine Nachhaltigkeit bedeutsam. Qualitativ hochwertige Massivholz-Häuser haben eine lange Lebensdauer, außerdem kann unbehandeltes Holz problemlos recycelt werden. Und nicht zuletzt wurde beim Medienzentrum mit der Zellulosedämmung ein recyceltes Material eingesetzt.
Nachhaltigkeit und Ökologie sind Werte, die den Schülerinnen und Schülern quasi „nebenbei“ vermittelt werden sollen: So wird der nachwachsende Baustoff Holz nicht unter Tapeten und Farbe versteckt, sondern in seiner natürlichen Schönheit gezeigt. Die neuen Musikräume haben nicht nur Holzwände, sondern auch eine Akustikdecke aus Holz, Holztüren mit dunkel gebeizten Zargen und einen schwarzen Linoleum-Fussboden (Linoleum wird aus Leinöl und Korkgranulat hergestellt und ist damit eine ökologische Alternative). Durch den Kontrast des natürlichen Holztons zum dunklen Boden und den dunklen Türen bekommt die Innenarchitektur einen modernen Ausdruck – weit weg vom „Öko-Klischee“.
Beim Thema Nachhaltigkeit geht der Architekt eigene Wege. So setzt er nicht auf den „Passivhaus-Standard“, der zurzeit en vogue ist, sondern auf ein handwerklich solides, gut gedämmtes Gebäude, das mit möglichst wenig Haustechnik auskommt. Der Jahresheizwärmebedarf des Medienzentrums liegt bei 40% der aktuellen Energieeinsparverordnung; das Gebäude kommt dabei ohne kontrollierte Be- und Entlüftung aus, die bei Passivhäusern notwendig ist. Ob sich das Medienzentrum mit Passivhäusern messen lassen kann, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Für den Stadtteil Kirchdorf ist das „Media-Dock Elbinsel“ in jedem Fall ein Gewinn.